5.1 Wer bin ich?
Arne Harder stellt sich vor
Passbild von
        Arne Harder

Hier stelle ich Ihnen jenen Mann vor, den ich am besten kenne: den Diplompsychologen Dr. Arne Harder. Folgendes finden Sie hier:

I Arne Harder: zur Person
II Was kann ich? Qualifikationen und Berufstätigkeiten
III Was will ich? Meine Stärken und wie ich sie einsetzen möchte
IV Wie arbeite ich? Drei Beispiele zur Demonstration
V Was beeinträchtigt mich? Fehler, Schwächen und Behinderungen

I Arne Harder: zur Person

Am 14. Mai 1961 wurde ich in Kiel geboren. Als Sieben-Monats-Kind (Frühgeburt) kam ich in den Inkubator, den man umgangssprachlich "Brutkasten" nennt. Der reine Sauerstoff, den ich dort atmete, hat meine Netzhäute zerstört; ich erblindete kurz nach der Geburt.

Zunächst besuchte ich Blindenschulen: 1968-1974 die Landes- Blinden-Schule in Hannover und 1974-1981 die Carl-Strehl-Schule in Marburg, das damals einzige Gymnasium speziell für Blinde und stark Sehbehinderte in der Bundesrepublik Deutschland.

1981-1988 studierte ich Psychologie an der Universität Gießen. Vier Jahre später wurde ich zum Dr. phil. Promoviert (siehe Beispiel 2 in Kapitel IV).

Zwischen 1995 und 2001 arbeitete ich als Wissenschaftler in Forschung und Lehre. Danach nahm ich Lehraufträge wahr und gewann dadurch an Lehrerfahrung.

Seit September 2002 bin ich als pädagogische Fachkraft bei Julia e.V. tätig. Hier arbeite ich in einem Team mit einer Diplompädagogin und einer Historikerin.
Bitte besuchen Sie: www.julia-ev.de, wenn Sie näheres über Julia e.V. erfahren möchten.

In der Freizeit wandere und singe ich gern. "Alte Sachen, die Krach machen", sind mein Hobby: Ich habe eine Schellackplattensammlung von etwa 250 Stück, verfüge über ein Grammophon und - mein ganzer Stolz - besitze ein Symphonium mit 17 zugehörigen Lochplatten.

Am schnellsten kommen Sie per E-mail mit mir in Verbindung: nc- harderar@netcologne.de.

II Was kann ich?
Qualifikationen und Berufstätigkeiten.

1987-1995

Mitglied der Arbeitsgruppe behinderter Studentinnen und Studenten an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen

Tätigkeiten:

  • Gründung und (1988-1991) Vorsitz der Behinderteninitiative an der JLU Gießen e. V. g. V.
  • Mitarbeit in der Behindertenkommission (Präsidialkommission). Beteiligt: Leiterinnen/Leiter der Universitätsreferate, und Schwerbehindertenvertretungen. Aufgabe: Beschluss von Empfehlungen zur behindertengerechten Gestaltung der Universität
  • Abhalten von Informationsveranstaltungen für die Selbsthilfebewegung Behinderter
  • Beratung behinderter Studentinnen und Studenten unter Anleitung der Diplompsychologin an der Studienberatungsstelle der JLU

Erfahrungen und Qualifikationen:

  1. Vereinswesen
  2. Mitarbeit in Universitätsgremien
  3. Veranstaltungsorganisation
  4. psychologische Beratung behinderter Menschen

1995-1998

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Psychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Tätigkeiten:

  • Abhalten von Veranstaltungen im Fach Medizinische Psychologie/Soziologie
  • Mitarbeit beim Aufbau des NovaVision Zentrums für Sehtherapie
    (Bitte besuchen Sie: www.nova-vision.org, um näheres darüber zu erfahren)
  • Forschungen im Bereich der Blindenpsychologie, Spezialgebiet Raumkognition und Mobilität; (räumliches Denken und Zurechtfinden im Raum)

Erfahrungen und Qualifikationen:

  1. Lehrerfahrung
  2. Praxis in Betriebsorganisation und Management
  3. Durchführung experimenteller blindenpsychologischer Studien

1999-2001

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Neurologie II der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Tätigkeiten:

  • Auswerten einer Erhebung zum Vorkommen von Gedächtnisstörungen bei Menschen mit multipler Sklerose
  • Durchführen experimenteller Evaluationsstudien in Kooperation mit der örtlichen Fakultät für Informatik
  • Internationale Publikation und Präsentation der Ergebnisse aus den o. g. Studien

Erfahrungen und Qualifikationen:

  1. Kenntnisse der Neuropsychologie
  2. Evaluationsforschung
  3. Interdisziplinäre Arbeit
  4. Wissenschaftliche Artikel und Tagungsbeiträge

2000-2003

Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Harz/Wernigerode

Tätigkeiten:

  • Abhalten von Lehrveranstaltungen für Studierende der Informatik
    Schwerpunkt: Empirische Methoden zur Evaluation der Nutzerfreundlichkeit von Software (Usabilityevaluation)

Erfahrungen und Qualifikationen:

  1. Interdisziplinäre Lehrerfahrung
  2. Praxis und Theorie der Usabilityforschung

Seit 2002

Pädagogische Fachkraft im EU-geförderten XENOS-Projekt von Julia e.V.

Tätigkeiten:

  • Konzeption von Projekten
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Akquisition, Betreuung und Anleitung von Kooperationspartnern
  • Organisation von Seminaren und Tagungen
  • Unterricht an Haupt- und Sonderschulen
  • Interne Evaluation der Projekte

Erfahrungen und Qualifikationen:

  1. Praktische Erfahrungen im Sozialmanagement
  2. Unterrichtserfahrung
  3. Evaluation sozialer Projekte
  4. Untersuchung der Wirksamkeit pädagogischer Arbeit

III Was will ich?
Meine Stärken und wie ich sie einsetzen möchte

Meine Stärken

Strukturiertes Denken, die Fähigkeit, das Erdachte klar darzustellen und kritisches Reflektieren sind meine besonderen Stärken. Diese setze ich gern im freien Vortrag ein. So kann ich mein Publikum begeistern, überzeugen und zum Nachdenken anregen.

Wie ich meine Stärken einsetzen möchte

Meine Qualifikationen prädestinieren mich für die Tätigkeit in Forschung und Lehre. Besonders reizt mich die Evaluationsforschung.

Meine Kenntnisse aus der Usabilityforschung setze ich ein, um die Nutzerfreundlichkeit neuer Orientierungs- und Mobilitätshilfen für Blinde festzustellen und damit die empirische Grundlage besser geeigneter Entwicklungen zu legen. Derzeit teste ich ein neues Hilfsmittel - den 'k' Sonar. Dessen Erfinder, Prof. Leslie Kay aus Neu Seeland, hat mir zu Testzwecken ein Exemplar zur Verfügung gestellt.
Bitte besuchen Sie: www.batforblind.co.nz, um näheres über den 'K' Sonar zu erfahren.

IV Wie arbeite ich?
Drei Beispiele zur Demonstration

Anhand von drei Beispielen zeige ich Ihnen meine Arbeitsweise als blinder Mensch. Sie erfahren in:
Beispiel 1, wie ich eine Tagung organisiert und dokumentiert,
Beispiel 2, meine Dissertation vollendet und
Beispiel 3, das Projekt "taktile Zielroutenkarten" vor der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vertreten habe.

Beispiel 1 Tagung organisieren.

Im Sommer 1992 organisierte die Behinderteninitiative an der JLU Gießen die neunte bundesweite Tagung der Interessengemeinschaften behinderter Studierender zum Thema: "Literaturbeschaffung" in Wetzlar. Ich gehörte dem siebenköpfigen Organisationsteam an.

Die Dokumentation der Tagung stellte ich zusammen und layoutete sie. Dazu nutzte ich den Computerarbeitsplatz für Blinde, den die Uni auf das Betreiben der Behinderteninitiative angeschafft hatte. Dieser verfügte über eine Braillezeile, die das Geschriebene am PC in Blindenschrift ausgibt. So konnte ich mit Word 5.0 unter dem Betriebssystem DOS die Broschüre selbständig editieren. Das Werk wurde an alle Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland verteilt.

Was ich 1992 erprobte, setze ich heute bei Julia e.V. professionell ein, indem ich z.B. Seminare und Präsentationen organisiere. Inzwischen nutze ich andere Programmpakete, um Texte selbständig zu editieren. Den vorliegenden Text habe ich in HTML geschrieben.

Beispiel 2 Dissertation vollenden

Harder, A. (1993). Zur Aneignung von Wegen: ein Feldversuch mit geburtsblinden Menschen. Justus-Liebig-Universität Gießen.
So können sie an der Universitätsbibliothek in Gießen meine Arbeit bestellen und einsehen. Daher gebe ich ihren Inhalt nur in Schlagworten wieder.

Ich untersuchte, wie geburtsblinde Menschen einen unbekannten 1,8 km langen Weg durch die Innenstadt Gießens kennen lernten. Sechs Versuchspersonen begingen den Weg jeweils 18mal (einmal täglich). Ihre Leistungen in: Gehgeschwindigkeit, Hindernisvermeidung und Gehsicherheit wurden pro Begehung registriert. Alle Versuchspersonen verbesserten mit der Begehungszahl ihre Leistungen. So betrug die mittlere Gehgeschwindigkeit in der Erstbegehung 2,6, in der letzten 3,8 km/h.

Zur Lektüre von Fachliteratur benötigte ich Assistenz, denn diese liegt so gut wie nie in Blindenschrift vor. Auch musste jemand die Versuchspersonen beim Begehen beobachten und notfalls ihre Sicherheit gewährleisten. Schließlich mussten auf meine Anweisungen hin Abbildungen (Lerngraphiken usw.) hergestellt werden.

Für die Bezahlung der Assistenz brauchte ich Geld. Also lernte ich, wie man ein Projekt plant, einen Finanzier findet und mit diesem abrechnet.

Ich stellte einen Antrag bei der Stiftung zur Förderung körperbehinderter Hochbegabter in Vaduz, Liechtenstein. Diese gewährte mir zwei Jahre lang ein Stipendium und einen Sachkostenzuschuss von DM 20000.

Beispiel 3 Evaluation der taktilen Zielroutenkarte

Der Diplominformatiker Rainer Michel begann 1993 mit seiner Dissertation, in der er ein Programmsystem zur Herstellung taktiler Zielroutenkarten entwickelte. Er bat mich, mit ihm diesen neuen Typ taktiler Karten zu evaluieren.

Die taktile Zielroutenkarte soll Blinde beim Finden eines bestimmten Weges unterstützen. Dazu zeigt sie diesen Zielroutenweg detailliert und in großem Maßstab. Sie präsentiert auf demselben Kartenblatt die Umgebung des Weges grob und in kleinem Maßstab.

Die Ergebnisse waren ermutigend. Sehende unter der Augenbinde und Sehbehinderte orientierten sich auf der taktilen Zielroutenkarte besser als auf anderen taktilen Karten, die das gleiche Gelände darstellten.

Im Juli 2000 fand in Denver, Colorado (USA) der zehnte internationale Kongress der AER (Association of Education and Rehabilitation for the Blind and Visually Impaired) mit 10000 Teilnehmenden statt. Der AER gehören Personen an, die gelegentlich oder ständig mit sehgeschädigten Menschen beruflich zu tun haben. Auf diesem Kongress trug ich als Referent die Ergebnisse der Evaluationsstudien zur taktilen Zielroutenkarte vor. Alles Nötige hatte ich an meinem Arbeitsplatz vorbereitet.

Diesmal hatte ich alles, was ich benötigte: eine Arbeitsassistenz hatte das zuständige Integrationsamt finanziert, den Blindenarbeitsplatz am PC zahlte das Arbeitsamt (Zentralstelle für Arbeitsvermittlung schwerbehinderter Fach- und Führungskräfte).

Den Untersuchungsbericht zur taktilen Zielroutenkarte finden Sie unter: www.med.uni-magdeburg.de/~harder/target/target.html.

V Was Beeinträchtigt mich?
Fehler, Schwächen und Behinderungen

Wer gern vorträgt, erzählt manchmal zu viel. Diesen Fehler vermeide ich durch das strukturierte Denken.

Als Behinderter brauche ich ein Beharrungsvermögen, das in den Augen Nichtbehinderter an Sturheit grenzen kann. Man traut uns Behinderten Manches nicht zu und versperrt uns den Weg zu diesen Tätigkeiten. Wir glauben, uns vor den anderen beweisen zu müssen, und stehen in der Gefahr, diese Haltung zu generalisieren.

Menschen, die mit mir als Behindertem nichts zu tun haben wollen, kann und will ich nicht helfen. Prinzipielle Offenheit setze ich voraus. Wenn Sie sich jedoch nicht vorstellen können, wie ich dieses oder jenes bewältige, fragen Sie mich bitte.


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