Forschungshintergrund
Kinder körperlich kranker Eltern haben auf Grund der emotionalen Belastung ein höheres Risiko, eine psychische Störung zu entwickeln. Elterliche Krebserkrankungen stellen hierbei mit großem Abstand die epidemiologisch bedeutsamste Krankheitsgruppe dar. Eine systematische Einbeziehung minderjähriger Kinder in psychosoziale Versorgungskonzepte für erwachsene Krebspatienten fehlt bislang. Zwar sind in den letzten Jahren an mehreren Orten in Deutschland Initiativen entstanden mit dem Ziel, gezielte psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern anzubieten, die bestehenden Angebote sind aber bislang noch nicht systematisch evaluiert. Zudem fehlen empirisch untermauerte Kriterien für die Indikationsstellung präventiver Interventionen.

Hier setzt das Projekt "Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern: Versorgungsbedarf für familienorientierte Prävention, Implementierung innovativer Versorgungsangebote und deren schrittweise Evidenzbasierung", an. Das Projekt ist ein Verbundprojekt an den Standorten Hamburg, Berlin, Heidelberg, Magdeburg und Leipzig und wird von der Deutschen Krebshilfe e.V. finanziert (für weitere Informationen steht eine Verbundwebsite zur Verfügung: www.verbund-kinder-krebskranker-eltern.de).
Auf der Grundlage von Befragungen sollen spezifische Versorgungsangebote für Eltern, Familien und Kinder entwickelt, evaluiert und angewendet werden.
In klinischen Interviews und Fragebögen werden Variablen zu psychischen Belastungen, Auffälligkeiten und Störungen, zu Lebensqualität (Health-Related Quality of Life), Krankheitsverarbeitung, Coping, Familienfunktion sowie zum Therapieerfolg erhoben und ausgewertet. Dabei werden Kinder, Eltern und Therapeuten in zeitlichen Abständen von ca. 3 Monaten befragt.
Insgesamt umfasst das Verbundprojekt 9 Teilprojekte, Magdeburg arbeitet zentrenübergreifend eng mit Leipzig und Berlin zusammen. Diese zentrenübergreifenden Teilprojekte befassen sich vorrangig mit den Themen des Längsschnitts (Entwicklung der psychischen Belastung von krebskranken Eltern und deren Kindern über einen Zeitraum von einem Jahr) sowie der frühen Kindheit (Auswirkung der Belastung durch die onkologische Erkrankung einer primären Bezugsperson in der frühen Kindheit auf die Affekt- und Verhaltensregulation beim Kind sowie auf die Eltern-Kind-Interaktion).

Das Teilprojekt 9 wird in Magdeburg durchgeführt:
Lebensqualität und Belastungssituation von Kindern und Jugendlichen krebskranker Eltern in Abhängigkeit von Krankheitsereignissen
Hier soll untersucht werden, wie sich bestimmte Krankheitsereignisse (bspw. Rezidiv, Aufnahme einer neuen Behandlungsmethode, neuer Zyklus einer Chemotherapie etc.) auf die subjektiv empfundene Lebensqualität und allgemeine Belastung von Kindern und Jugendlichen krebskranker Eltern auswirken können.
Parallel sollen in Magdeburg zudem zusätzliche Module für spezifische Fallkonstellationen erarbeitet werden. Bezüglich der Modulentwicklung in Magdeburg gibt es 2 Foki:
- Umgang mit spezifischen Stressbelastungen im Krankheitsverlauf (bspw. Rezidiv, neue Behandlungsmethode, Schulwechsel, Umzug = Mehrperspektivenansatz) und
- die Begleitung von Mädchen in der Pubertätsentwicklung bei Brustkrebserkrankung der Mutter.