Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 

Im Interview mit unseren Hygiene-Experten

20.01.2017 - Die Krankenhaushygiene ist für Dr. med. Jan L. Hülsemann, ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Magdeburg (Interview), und dem gesamten Vorstand ein bedeutendes Thema. Da die Patientensicherheit an erster Stelle steht, werden nicht nur Vorgaben und Richtlinien erfüllt, sondern proaktiv gehandelt. Dazu zählt die Teilnahme des Klinikums an freiwilligen Projekten im Bereich der Hygiene genauso, wie die tägliche Kooperation zwischen Hygienefachkräften, hygienebeauftragtem Pflegepersonal und den Mitarbeitern des Instituts für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene.

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Foto (von links nach rechts): Hygienefachkraft Stefan Reimann und die hygienebeauftragte                        Pflegekraft Wenke Möller

Gemeinsam mit Hygienefachkraft Stefan Reimann besuchten wir die Gesundheits- und Krankenpflegerin Wenke Möller am Arbeitsplatz. Sie ist seit drei Jahren hygienebeauftragte Pflegekraft auf der nephrologischen Station 9 (NEP 9). Beide gaben uns interessante Einblicke in ihre tägliche Arbeit und Kooperation zum Thema...

"Wir halten die Regeln des Robert Koch-Instituts ein und spielen nicht irgendwie Feuerwehrmann."
Stefan Reimann


Liebe Frau Möller, Ihr Stationsalltag ist vollgepackt mit der Pflege stationärer Patienten, Patientenzugängen und Entlassungen. Daneben sind Sie hygienebeauftragte Pflegekraft der Station. Auf was achten Sie und Ihr Team besonders, um auf der „NEP 9“ aktuelle Hygienestandards einzuhalten?

Wenke Möller:
Das ist definitiv die Händedesinfektion. Das ist das A und O. Aber auch Standards zu Blutentnahmen, Verbandswechsel, dem Umgang mit Blasenkathetern und Zentralen Venenkathetern müssen eingehalten werden. Oder das regelmäßige Absprühen der Blutdruckmanschetten. Ich schaue täglich, dass alle Vorgaben auch entsprechend eingehalten werden.

Was genau sind Ihre Aufgaben als Hygienebeauftragte der Station?

Wenke Möller:

Zweimal pro Jahr nehme ich an der Hygienekommissionssitzung mit Professor Geginat, dem Leiter für Krankenhaushygiene des Instituts für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, teil. Dort werden wir über Neuerungen informiert und wie wir in den letzten Monaten gearbeitet haben. Auch Resistenzstatistiken in Bezug auf Antibiotika-Nutzung, Neue Verfahrensanweisungen, Formulare und Isolationsschemen sind Thema. Was dort besprochen wurde, gebe ich an meine Kolleginnen und Kollegen weiter. Außerdem haben wir alle zwei Jahre eine Stationsbegehung mit Herrn Reimann. Wir schauen dabei, ob die hygienischen Standards auf unserer Station erfüllt werden.

Stefan Reimann:
Ganz genau, wir machen eine Risikoeinschätzung der Station. Dabei schauen wir, wie hoch das Risiko ist, dass dort Infektionen auftreten können, wie hochgradig immunsupprimiert die Patienten sind und ob es um ein operatives Fach oder ein eher konservatives Fach geht. Danach machen wir nach Richtlinien der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) eine Risikoabschätzung und entscheiden, wie oft eine Station begangen werden muss. Wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit der hygienebeauftragten Pflegekraft und der Hygienefachkraft.

Schwester Wenke fügt hinzu:
Bei der Stationsbegehung wird auch geschaut, was wir noch verbessern können. Bei unserer monatlichen Stationsbesprechung gebe ich dann alle aktuellen Informationen an das Team weiter.

Das Universitätsklinikum Magdeburg verfügt über 27 Kliniken. Wie setzen Sie die Richtlinien der KRINKO überall fortlaufend um?

Stefan Reimann:
Wir haben in jedem Bereich hygienebeauftragte Pflegekräfte. Es gibt allerdings auch kleine Ambulanzbereiche, wo dann der hygienebeauftragte Arzt der jeweiligen Klinik zuständig ist. Wir haben somit überall Ansprechpartner im Bereich der Hygiene vor Ort. Es geht in der Kommunikation beispielsweise um die fachgerechte Aufbereitung der Medizinprodukte oder um die Kooperation mit der Zentralsterilisation.

Wie ist die Vorgehensweise, wenn beispielsweise ein Isolationspatient zu Ihnen auf Station kommt?

Wenke Möller:
Wir schicken ein Fax an die Hygiene und informieren, dass wir das Zimmer des Patienten isoliert haben. Dann kommt auch prompt ein Rückruf von Herrn Reimann. Er sagt uns sofort, welche Maßnahmen wir durchführen sollen. Ich finde, dass die Kommunikation sehr gut funktioniert.

Stefan Reimann:
Wir halten die Regeln des Robert Koch Institutes ein und „spielen nicht irgendwie Feuerwehrmann“. Da wir als Hygienefachkräfte mittlerweile so gut besetzt sind, können wir verstärkt präventiv arbeiten. Ich kann mir, auch per Computer, den Stationsarbeitsplatz anschauen. Dann sehe ich, wo beispielsweise ein Patient mit multiresistenten Keimen liegt. Kommt ein Patient in die Klinik, der bereits mit bestimmten Keimen besiedelt war, so sehe ich, wo der Patient stationär aufgenommen wird und kann im gleichen Zug die Station informieren und sagen, wie die Vorgehensweise aussieht. Dass das so gut klappt, liegt vor allem an der Personalaufstockung in den vergangenen Jahren.

Wie sorgen Sie dafür, dass die Kooperation mit den einzelnen Stationen gut funktioniert?

Stefan Reimann:
Wichtig ist es, die Leute mitzunehmen und nicht alleine zu lassen. Das muss zusammen funktionieren. Die Hygienebeauftragten sind unsere verlängerten Augen und Ohren, die genau darauf achten, wie die Pflege umgesetzt wird.

Was ist, wenn trotz aller Bemühungen noch Fragen zu Neuerungen im Raum stehen?

Stefan Reimann:
Wenn beispielsweise Schwester Wenke zu Neuerungen Fragen hat, ruft Sie mich an. Wir kommen dann zur monatlichen Stationssitzung und erklären allen die Thematik genau.

Sie haben sicher auch Auszubildende auf Station NEP 9?

Wenke Möller:
Genau. Ich bin auch für die Ausbildung der Schüler hier auf Station zuständig. Es ist wichtig, dass wir den Azubis bereits ab dem ersten Lehrjahr die Hygienestandards vermitteln. Wir haben außerdem Desinfektionspläne, worauf ich die Schüler regelmäßig hinweise.

Was gibt es aktuell an Änderungen auf Ihrer Station, um Hygienevorschriften einzuhalten?

Wenke Möller:
Wir haben eine Testung mit neuen Reinigungstüchern durchgeführt, die ein spezielles Wirkungsspektrum abdecken. Mit dieser neuen Flächendesinfektion konnten wir den Keim Clostridium difficile wirksamer bekämpfen.

Wie arbeiten Sie mit dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Magdeburg zusammen?

Stefan Reimann:
Die Zusammenarbeit ist sehr eng. Wir erhalten unsere Befunde hier vor Ort und lassen diese nicht von externen Instituten erstellen, wie dies oft andere Kliniken tun müssen. Der große Vorteil ist, dass wir dadurch in vielerlei Hinsicht schnell reagieren können. Wenn es um Befunde, wie beispielsweise Schnelltests auf Keime geht, wissen wir in kurzer Zeit, in welche Richtung sich die Situation entwickelt und welche Maßnahmen wir ergreifen müssen.

In der medizinischen Mikrobiologie gibt es zudem ein Krankenhaushygienisches Labor. Dort arbeiten Mitarbeiter, die sich vorwiegend um Befunde aus der Krankenhaushygiene kümmern. Wir machen zum Beispiel Umgebungsuntersuchungen. Das sind sogenannte Abklatsche, also Probeentnahmen, mit denen wir entsprechende Flächen auf Keime untersuchen. Darunter zählen unter anderem Sonografie-Geräte oder Ultraschallköpfe, die von Patient zu Patient wandern. Dazu gehören auch die klassische Blutdruckmanschette und das Stethoskop. Dazu benutzen wir auch Tupfer-Proben oder Schwämmchen-Proben.

Wir schauen außerdem, ob wir in der Umgebung außerhalb des Patientenzimmers einen Erreger finden. Es werden dann Hygienebarrieren eingerichtet. So desinfizieren wir das spezielle Gerät, damit keine Keime von Patient zu Patient gelangen. Wenn das Gerät desinfiziert ist, das Desinfektionsmittel abgetrocknet ist, kommt es zu keinerlei Kreuzkontaminationen. Ich verschleppe den Keim also nicht von einem Patient zum anderen.

 

Text: Carolin Hörnig

Letzte Änderung: 20.01.2017 - Ansprechpartner: Webmaster