Talentierte Nachwuchsforscher ausgezeichnet

02.06.2022 -  

Die Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg vergibt jährlich an talentierte Nachwuchsforscher den Forschungspreis für wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kategorien „Klinische Forschung“ und „Biomedizinische Grundlagenforschung“. 

Ausgezeichnete Forschung zu Arbeitsbelastungen in der Chirurgie

02.06.2022 -  

In der Herz-Thorax-Chirurgie sind viel Kraft, hohe Konzentration, schnelle Entscheidungen und Ausdauer gefragt. Wie hoch die Arbeitsbelastungen vor allem für junge Ärzt:innen in diesem Fachgebiet tatsächlich sind, untersucht Dr. George Awad und erhält dafür den Forschungspreis für wissenschaftlichen Nachwuchs der Medizinischen Fakultät der Universität Magdeburg.

Eine Operation am offenen Herzen ist zweifellos eine der risikoreichsten und körperlich anstrengendsten Aufgaben in der Chirurgie und birgt zudem eine große Verantwortung für die Operateur:innen. Für die Ausübung dieses Berufs können solche und ähnliche Eingriffe eine dauerhafte physische und psychische Belastung bedeuten. Dr. med. George Awad von der Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie untersuchte gemeinsam mit dem Bereich Arbeitsmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter Leitung von Prof. Böckelmann genau solche Arbeitssituationen chirurgisch tätiger Ärzt:innen im Bereich der Herz-Thoraxchirurgie. Für seine Forschung wurde er nun mit dem Forschungspreis für wissenschaftlichen Nachwuchs der Medizinischen Fakultät in der Kategorie „Klinische Forschung“ ausgezeichnet. Der Forschungspreis wird von der Medizinischen Fakultät Magdeburg jährlich an Nachwuchswissenschaftler:innen für originelle Forschungsprojekte vergeben. Der Preis ist mit 5.000 Euro als Drittmittel dotiert.

Dr. med. George Awad_Foto Melitta Schubert

Foto: Für die Forschung von Herzchirurg Dr. med. George Awad zur Stressbelastung chirurgisch tätiger Ärztinnen und Ärzte kommt ein Langzeit-EKG-Gerät zum Einsatz.
Fotografin: Melitta Schubert/UMMD

„Diese Auszeichnung ist für mich eine große Ehre, aber vor allem auch Ansporn, mich weiterhin mit der Forschung an den Herz-Kreislauferkrankungen sowie die zeitgemäße Behandlungsstrategie zu befassen und innovative Ideen zu entwickeln“, erklärt Dr. Awad. Er ist Facharzt für Herzchirurgie und kennt die Arbeitsbelastung, die dieser Beruf mit sich bringt, nur zu gut. „Bei einer Operation am Herzen steht man mitunter 4 bis zu 6 Stunden am Stück im OP-Saal. Die Arbeit erfordert handwerkliches Geschick, teilweise auch viel Körperkraft, manchmal muss es sehr schnell gehen und trotzdem ist höchste Präzision gefragt“, erzählt der 35-Jährige, für den bereits zu Beginn seines Medizinstudiums an der Universität Damaskus in Syrien feststand, dass er später Herzchirurg werden möchte. „Das Operieren an einem heiligen Organ wie dem Herzen ist mehr als faszinierend. Das hat mich schon als jüngerer Mediziner sehr interessiert.“

Ziel seiner Arbeit ist es, das individuelle Stresslevel von Chirurg:innen während einer Operation zu ermitteln und herauszufinden, wie stark insbesondere junge Ärzt:innen in der Ausbildung belastet sind. Damit können zukünftig neue Ansätze zur Verbesserung chirurgischer Ausbildungsprogramme entwickelt werden. Um die arbeitsbezogene Stressbelastung in dem Gebiet der Herzchirurgie genauer untersuchen zu können, nutzt Dr. Awad für seine Forschungsarbeit als Beanspruchungsparameter die sogenannte Herzfrequenzvariabilität (HRV). „Wir können die HRV aus den EKG-Aufnahmen ermitteln bzw. die physiologische Variabilität der Herzschläge messen und bekommen somit wertvolle Informationen zum physiologischen Status des Körpers und zur Herz-Kreislaufregulation.“

Die HRV wird über zwei Nerven, den Sympathikus und den Parasympathikus, im vegetativen Nervensystem geregelt. Der Sympathikus agiert dabei als sogenannter „Leistungsnerv“ und der Parasympathikus als „Ruhenerv“. Ist also eine hohe HRV vorhanden, überwiegt der Parasympathikus, was sich durch eine Entlastung bzw. Entspannung zeigt. Werden Stresshormone freigesetzt, erhöht sich die Herzschlagfrequenz und auch der Blutdruck und die HRV reduzieren sich. Dies ist auf die Sympathikusaktivität zurückzuführen. Der Organismus ist dann stark belastet. Dr. Awad erklärt: „Wenn eine Person jedoch chronisch physisch oder mental gestresst oder überanstrengt ist, kann das sehr belastend für den Körper sein und zu zahlreichen mentalen und physischen Gesundheitsproblemen führen, wie beispielsweise Burnout oder Depressionen.“

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Foto: Bei einer Operation am Herzen steht Herzchirurg Dr. George Awad mitunter 4 bis zu 6 Stunden am Stück im OP-Saal.
Fotografin: Melitta Schubert/UMMD

Anhand seiner Forschungsergebnisse erhofft sich Dr. Awad eine Sensibilisierung für das Thema Stress im Arztberuf, ebenso wie eine frühzeitige Etablierung von Programmen zum Umgang mit Stress oder Trainingsprogramme zur Resilienzförderung im Medizinstudium und bei jungen Ärzt:innen. „Es ist bekannt, das Lernerfolge in Stresssituationen schlechter zu erreichen sind. Daher sollen zukünftig neue Ansätze etabliert werden, um auch chirurgische Ausbildungsprogramme weiter zu entwickeln und zu verbessern. Damit kann sich zum einen das Arbeitsumfeld verbessern und zusätzlich können frühzeitig präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen bei hoher arbeitsbezogener Stressbelastung bei den Chirurgen insbesondere in der Facharztausbildung entwickelt werden.“  All dies kann nach Auffassung des jungen Wissenschaftlers die Attraktivität chirurgischer Fächer erhöhen und Ärztemangel und Unzufriedenheit im Beruf vermindern.

Neben der Herzratenvariabilität beschäftigt sich Dr. Awad mit dem Tissue-Engineering und der Züchtung von Herzmuskelgewebe. Weiterhin untersucht er mit seiner Arbeitsgruppe die Patient:innen nach verschiedenen chirurgischen Ansätzen wie die Rekonstruktion der linken Herzkammer  und den Ersatz der Hauptschlagader nach lebensbedrohlichen Rupturen. Der gebürtige Syrer ist seit 2021 Facharzt in der Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie in Magdeburg. Seine Facharztausbildung begann er in Damaskus und setzte sie an den Universitätskliniken Magdeburg und Göttingen fort. Dr. Awad erhielt die Approbation als Arzt 2014 und promovierte 2017 an der Universität Magdeburg mit magna cum laude.

Wissenschaftlicher Kontakt

Dr. med. George Awad, Facharzt für Herzchirurgie in der Universitätsklinik für Herz-und Thoraxchirurgie Magdeburg, Tel.: +49 391 67-14100, george.awad@med.ovgu.de

 

Mit Künstlicher Intelligenz Augenkrankheiten erkennen

02.06.2022 -  

Nachwuchswissenschaftler Dr. Khaldoon Al-Nosairy erforscht den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Telemedizin zur Früherkennung von Netzhauterkrankungen und erhält dafür den Forschungspreis für wissenschaftlichen Nachwuchs der Medizinischen Fakultät der Universität Magdeburg.  

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rechnet bis zum Jahr 2030 mit 25 Prozent mehr Blinden und Sehbehinderten in Deutschland. Trotz jahrzehntelanger Fortschritte in der Forschung zu Augenkrankheiten gibt es immer noch ungedeckten Bedarf bei der Diagnose und Behandlung zur Erblindung führender Augenkrankheiten wie beispielsweise Glaukom (Grüner Star). Dr. rer. nat. Khaldoon Al-Nosairy ist Postdoktorand in der Forschungsgruppe Klinische und experimentelle Sinnesphysiologie der Universitätsaugenklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Hoffmann. Dort erforscht er, wie mit Hilfe Künstlicher Intelligenz die Früherkennung und Diagnosestellung von Krankheiten, die das Sehvermögen beeinträchtigen, verbessert werden können. Für sein Engagement erhält der junge Wissenschaftler den Nachwuchsforschungspreis der Medizinischen Fakultät in der Kategorie „Biomedizinische Grundlagenforschung“. Der Preis wird jährlich an wissenschaftlichen Nachwuchs für originelle Forschungsprojekte vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert.

 

Portrait Dr. rer.nat. Khaldoon Al-Nosairy_Foto Sarah Kossmann.jpgFoto: Dr. rer. nat. Khaldoon Al-Nosairy erforscht in der Forschungsgruppe Klinische und experimentelle Sinnesphysiologie der Universitätsaugenklinik Magdeburg, wie mit Hilfe Künstlicher Intelligenz die Früherkennung und Diagnosestellung von Krankheiten, die das Sehvermögen beeinträchtigen, verbessert werden können.
Fotografin: Sarah Kossmann/UMMD

„Der Eintritt in meine Postdoc-Phase mit dieser Auszeichnung eröffnet mir ein anregendes und innovatives Forschungsfeld mit großer Praxisrelevanz für meine künftigen Aktivitäten als Forscher in der Augenheilkunde und der neurowissenschaftlichen Forschung“, erklärt Dr. Al-Nosairy. Mit seinem Forschungsprojekt besetzt Dr. Al-Nosairy ein absolutes Zukunftsfeld. Hinzu kommt ein wachsender Bedarf, da die Häufigkeit von Netzhauterkrankungen deutschlandweit steigt, und eine Behandlung in der Regel schnell erfolgen muss. „Dieses Projekt zielt darauf ab, eine Vielzahl von Methoden der künstlichen Intelligenz einzusetzen, um neuartige Biomarker der Netzhaut für die Untersuchung von Schäden und die Vorhersage des Verlustes von Nervenzellen der Netzhaut bei erblichen Netzhauterkrankungen bzw. Glaukomerkrankungen zu ermitteln.“ Der Vorteil: Die KI wird von den Forscher:innen anhand großer Mengen früherer Diagnosebilder der Netzhaut beispielsweise aus der sogenannten optischen Kohärenztomografie (OCT) trainiert und ermöglicht somit Verbesserungen der genauen Funktionsbeurteilung auf der Grundlage objektiver, leicht zugänglicher Strukturdaten. „Die KI-Auswertungen sowohl struktureller als auch funktioneller Messungen helfen, die Prognose der Patienten in kürzester Zeit einzuschätzen, die Therapie anzupassen und damit einer Erblindung rechtzeitig vorzubeugen.“ Obendrein bliebe den Ärzt:innen mehr Zeit für die Betreuung der Patient:innen.

Der junge Naturwissenschaftler hat sein Forschungsinteresse für die Bereiche Ophthalmologie und Neurowissenschaften als Marie-Curie-Stipendiat im Rahmen des European Glaucoma Research Training Network (EGRET+) während seiner erfolgreichen Promotion an der Universität Magdeburg vertieft. „In dieser Zeit konnte ich meine Forschung im Bereich der Ophthalmologie mit neurowissenschaftlicher Forschung verbinden und möchte das mit großem Interesse weiterverfolgen.“ Dr. Al-Nosairy stammt aus dem Jemen und absolvierte dort ein Bachelor-Studium in Medizin. Darauf folgte ein Masterabschluss der Ophthalmologie an der Universität Ägypten.

Wissenschaftlicher Kontakt

Dr. rer. nat. Khaldoon Al-Nosairy, Stellvertretender Forschungskoordinator und Postdoc, Abteilung für klinische und experimentelle sensorische Physiologie, Universitätsaugenklinik Magdeburg, Tel.: +49 391 67-21723, khaldoon.alnosairy@med.ovgu.de

Letzte Änderung: 02.06.2022 - Ansprechpartner: Webmaster