Vorwort von Emrah Düzel, Sprecher der Klinischen Forschergruppe
Herzlich willkommen auf der Homepage der Klinischen Forschergruppe 'Kognitive Kontrolle von Gedächtnis'.
Gedächtnisstörungen sind ein Symptom vieler neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen. Aber auch im Alter treten zunehmend Gedächtnisstörungen auf und führen zu massiven Beeinträchtigungen in unserer sich schnell verändernden Informationsgesellschaft.
Kognitive Gedächtniskontrolle ist die nach bestimmten kognitiven Regeln oder Konzepten organisierte Beeinflussung der Selektion, Speicherung und der Verfügbarkeit von Information. Als Ergebnis dieser Kontrollprozesse ist der Mensch bis zu einem Grad in der Lage, Umweltreize als Hinweise für vergangene Ereignisse richtig zu bewerten und zu verwenden, falsche Erinnerungen zu vermeiden, "Gedächtnisblockierungen' zu überwinden und störende Informationen aus dem Gedächtnis auszublenden.
Das Kernkonzept, dass die 6 Teilprojekte der Klinischen Forschergruppe verbindet ist die
"Neuromodulation". Darunter versteht man Prozesse, die Informationsverarbeitung verändern können, ohne direkt Information zu kodieren.
Neuromodulatoren sind biochemische
Botenstoffe wie Dopamin, Acetylcholin, Noradrenalin und Serotonin. Sie modulieren die aktive Repräsentation und adaptive Kodierung von Information und regulieren Motivation und Erwartung.
Sie beeinflussen dadurch, welche Stimuli wie lange und wie stark limbisch repräsentiert werden und sind so maßgeblich an der kognitiven Kontrolle von Gedächtnis beteiligt. Diese Neuromodulatoren wirken sich durch Verstärkung und Stabilisierung synaptischer
Plastizität aber auch direkt auf das Langzeitgedächtnis aus.
Die Hirnareale, in denen diese Neuromodulatoren produziert werden, allen voran das
basale Vorderhirn und das dopaminerge Mittelhirn, sind bei einer Reihe von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen beeinträchtig. Darüberhinaus zeigen diese Areale ausgeprägte Veränderungen im Alter auf. Neuromodulatorische Funktionsstörungen werden als eine wichtige Ursache für kognitive Kontrollstörungen und gestörte Plastizität im Alter und bei einer Reihe von Patientenpopulationen angesehen.
Neuromodulatorische Mechanismen werden darüberhinaus auch massgeblich von individuellen genetischen Merkmalen bestimmt. Gene, die den Transport und die Inaktivierung von Neuromodulatoren beeinflussen, kommen in verschiedenen Varianten vor (sog. Polymorphismen). Diese Genvariantionen beeinflussen nicht nur neuromodulatorische Mechanismen der Gedächtniskontrolle und Plastizität, sondern auch Alters- und Krankheitsbedingte Veränderungen.
Die klinische Forschergruppe untersucht die neuromodulatorischen Mechanismen der Gedächtniskontrolle und Plastizität sowie deren Störungen im im Alter, bei Patienten Zwangserkrankungen, ADHD, Schizophrenie und der Parkinsonschen Erkrankung. In Magdeburg stehen hierfür eine Reihe modernster Technicken zur Verfügung. Unter anderem ein
7 Tesla Kernspintomograph mit dem sehr detaillierte Messungen neuromodulatorischer Hirnareale möglich sind.
Das Ziel ist es aus den gewonnenen Erkenntnissen, neue pharmakologische Therapieansätze für Gedächtnisstörungen zu entwickeln.
Dieses Ziel ist nur durch eine enge Zusammenarbeit mit Grundlagenfächern möglich, die zelluläre, physiologische, biochemische und genetische Aspekte der Neuromodulation tierexperimentell untersuchen. Als "Kind' des Sonderforschungsbereiches "Limbisches System 426' ist die klinische Forschergruppe bestens mit der tierexperimentellen Grundlagenforschung in Magdeburg verknuepft. Enge Kooperationen existieren z.B. mit der Arbeitsgruppe von
Prof. Frey
und
Prof. Gundelfinger im
Leibniz Institut für Neurobiologie.