COVID-19-Impfstoffe triggern keine Autoantikörper

20.01.2022 -  

Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Magdeburg analysieren die Immunantwort auf verschiedene Impfungen gegen SARS-CoV-2

Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Magdeburg haben in den letzten Monaten zwei Studien zu COVID-19-Impfstoffen durchgeführt. Ziel war es, herausfinden, ob sich die Stärke der Immunantwort nach verschiedenen COVID-19-Impfstoff-Kombinationen unterscheidet und ob diese Impfungen das Immunsystem so umprogrammieren, dass es zu einer Reaktion gegen körpereigene Strukturen durch ausgewählte Autoantikörper kommt. Solche selbst reaktiven Antikörper könnten im schlimmsten Fall zu einer Zerstörung körpereigener Zellen und Organe führen, was langwierige medizinische Behandlungen erfordern würde. Die Studien wurden durch das Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Universitätsmedizin Magdeburg koordiniert. Weitere Partner waren das Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie der Universitätsmedizin Magdeburg sowie das Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Dr. rer. nat. Christoph Thurm und Institutsdirektor Prof. Dr. med. Burkhart Schraven im Institut für Molekulare und Klinische Immunologie_Foto UMMD_Sarah Kossmann

Foto: Dr. rer. nat. Christoph Thurm und Institutsdirektor Prof. Dr. med. Burkhart Schraven im Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Fotografin: Sarah Kossmann/UMMD

In den Studien wurden folgende Wirkstoffkombinationen analysiert: Zwei Impfungen mit einem mRNA- oder Vektor-Impfstoff bzw. die Kombination eines Vektor-Impfstoffs, gefolgt von einem mRNA-Impfstoff. An den Studien haben insgesamt 120 freiwillige Proband:innen aus der Mitarbeiterschaft der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums Magdeburg teilgenommen. Gemäß der individuellen Impfstoffkombination wurden diese in drei Gruppen aufgeteilt. Bei allen Studienteilnehmenden erfolgten vier Blutentnahmen, vor der Zweitimpfung sowie zwei bzw. vier Wochen und vier Monate nach der Zweitimpfung. Damit konnten die Konzentrationen der Impfantikörper und Autoantikörper bestimmt und anschließend statistisch ausgewertet werden. Analysiert wurden Autoantikörper, die bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie der Zöliakie (Antikörper gegen die Gewebs-Transglutaminase), dem anti-Phospholipid Syndrom (Antikörper gegen Cardiolipin, Prothrombin und β2-Glycoprotein) und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Antikörper gegen zyklische citrullinierte Peptide und Antinukleäre Antikörper) eine wichtige Rolle spielen.

Prof. Schraven erläutert das Verfahren des Antikörpernachweises mittels Immunfluoreszenz

Foto: Prof. Schraven erläutert das Verfahren des Antikörpernachweises mittels Immunfluoreszenz.
Fotografin: Sarah Kossmann/UMMD

Der Magdeburger Immunologe und Leiter des Institutes für Molekulare und Klinische Immunologie der Universitätsmedizin Magdeburg, Prof. Dr. med. Burkhart Schraven, erläutert die Ergebnisse: „In unseren Studien konnten wir zeigen, dass die Induktion von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 nach einer zweimaligen Impfung mit dem Vektor-Impfstoff von AstraZeneca im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen um zirka 90 Prozent reduziert war. Hiermit ist vermutlich auch ein deutlich verringerter Schutz gegen eine Ansteckung mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 verbunden.“ Diese Informationen seien wichtig, um die Prozesse, die durch die neuen Impfstoffe angestoßen wurden, besser zu verstehen und einige offene Fragen zu beantworten.

„Wir konnten zeigen, dass keine der drei Impfstrategien eine Produktion von Autoantikörpern in gesunden Probandinnen oder Probanden induziert und dementsprechend auch keine ungewollte Immunreaktion gegen den eigenen Körper stattfindet. Dies ist ein sehr wichtiger Befund, da solche Autoimmun-Reaktionen im Zusammenhang mit symptomatischen COVID-19-Infektionen beobachtet wurden und daher die Möglichkeit bestand, dass auch die Impfung ähnliche Veränderungen anstößt“, erklärt der Erstautor der Studie, Dr. rer. nat. Christoph Thurm.

In weiteren Studien muss nun untersucht werden, ob diese Ergebnisse auch über den Beobachtungszeitraum von vier Monaten hinaus und an einer größeren Anzahl von Probanden bestätigt werden können.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Burkhart Schraven und Dr. rer. nat. Christoph Thurm, Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391/67-24397,

Publikationen:

Swantje I. Hammerschmidt, Christoph Thurm, Berislav Bošnjak, Günter Bernhardt, Annegret Reinhold, Stefanie Willenzon, Christiane Ritter, Dirk Reinhold, Burkhart Schraven, Reinhold Förster, Robust induction of neutralizing antibodies against the SARS-CoV-2 Delta variant after homologous Spikevax or heterologous Vaxzevria-Spikevax vaccination, First published: 06 December 2021 https://doi.org/10.1002/eji.202149645

Christoph Thurm, Annegret Reinhold, Katrin Borucki, Sascha Kahlfuss, Eugen Feist, Jens Schreiber, Dirk Reinhold, Burkhart Schraven, Anti-SARS-CoV-2 vaccination does not induce the formation of autoantibodies but provides humoral immunity following heterologous and homologous vaccination regimens: Results from a clinical and prospective study within professionals of a German University Hospital, https://doi.org/10.1101/2021.11.01.21265737

Letzte Änderung: 01.02.2022 - Ansprechpartner: Webmaster