Mehr Krankheitsfälle durch Zeckenstiche

05.12.2019 -  

Magdeburg (FME) - Von Zecken übertragene Infektionserreger bedrohen zunehmend die Gesundheit von Menschen und Tieren in Deutschland. In den letzten Jahren wurden bisher in Deutschland unbekannte, aber klinisch relevante Erreger entdeckt, die von heimischen Zecken übertragen werden. „Demzufolge sind Maßnahmen zur Prävention von durch Zecken übertragenen Infektionserregern dringend erforderlich. Arbeitnehmern, die besonders gefährdet sind, wie z.B. Forstarbeiter und -arbeiterinnen, muss eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, damit die Gesundheitsgefährdung für diese Gruppe adäquat erfasst und bewertet werden kann“, so Priv.-Doz. Dr. med. Antonios Katsounas, Leiter der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Magdeburg und Inspirator des E.Ze.SA-Projektes (Erregerspektrum der Zecken in Sachsen-Anhalt). Das E.Ze.SA-Projekt soll nun helfen, das Expositions- und Infektionsrisiko in Deutschland besser abzuschätzen.

Neue Zeckenarten und neue Erreger identifiziert

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden ein halbes Dutzend neue, durch Zecken übertragene Krankheitserreger identifiziert, darunter neue Borrelien- und Rickettsien-Arten. Die seit 2017 in einigen Regionen Deutschlands aufgefundenen Hyalommazecken können u.a. das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fiebervirus (CCHFV) übertragen, gegen das weder eine adäquate Therapie noch eine Impfung vorliegt. In Spanien kam es bereits zu einer Übertragung des CCHFV, dies zeigte Prof. Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung für Arbovirologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg, in einer gemeinsamen Veröffentlichung im renommierten New England Journal of Medicine. Ein Auftreten des CCHFV kann zukünftig auch in Deutschland nicht ausgeschlossen werden. „Bisher haben wir noch keine Hinweise darauf, dass das CCHFV durch Zecken in Sachsen-Anhalt übertragen wird. Dies ist aber eine wichtige Frage, die im Rahmen des E.Ze.SA-Projekts untersucht wird“, so Prof. Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit. Anhand modernster Untersuchungsmethoden können nicht nur bereits bekannte Erreger detektiert, sondern auch neue Erreger identifiziert werden. Das E.Ze.SA-Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass es auf Zecken fokussiert, die ausschließlich am Menschen gesammelt werden.

Gemeldete Fälle nehmen zu

Mehr Krankheitsfälle durch ZeckenIm Jahr 2017 meldeten die Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (Centers for Disease Control and Prevention, CDC) in den Vereinigten Staaten eine Rekordzahl von Krankheitsfällen, die durch Zecken verursacht wurden. In Deutschland konnte in den letzten Jahren anhand valider Daten eine Ausbreitung des durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus

(FSME-Virus) gezeigt werden. Während es in Süddeutschland bereits seit längerer Zeit etabliert ist, konnte es jetzt auch in Regionen in Thüringen und Sachsen, zuletzt im Kreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge, nachgewiesen werden.

„Es werden nicht alle Fälle erfasst, da die Symptome oft unspezifisch und nicht stark ausgeprägt sind“, so Priv.-Doz. Dr. med. Antonios Katsounas.

Nicht nur von Zecken übertragbare Erreger profitieren vom Klimawandel, sondern auch die Zecken selbst. „Aktuelle Daten belegen, dass sich in den vergangenen Jahren auch die Auwaldzecke in Deutschland ausgebreitet hat, die wahrscheinlich das FSME-Virus übertragen kann. Ihre Verbreitungsschwerpunkte sind Oberrhein, Mittelelbe und der Großraum Berlin. Im Gegensatz zum Holzbock hat die Auwaldzecke eine vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst verlängerte Aktivitätsperiode. Durch diese neue Zeckenart könnte das kumulative Risiko eines Zeckenstichs deutlich steigen“, so Prof. Dr. med. Gernot Geginat, stellvertretender Leiter des Institutes für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Magdeburg. Das Institut fungiert als zentrale Sammelstelle für alle Zecken und stellt die Zeckenkits für die Teilnehmer zur Verfügung, die eine Zeckenkarte zur schonenden Entfernung der Zecken und passende Transportröhrchen enthalten. Die – im Rahmen des E.Ze.SA-Projektes – durch diese Überwachungsmaßnahme erhaltenen Daten ermöglichen es, zukünftig Schutzmaßnahmen, insbesondere für Risikogruppen wie Förster und Försterinnen sowie Jägerinnen und Jäger, zu etablieren.

Im Rahmen der Fortbildungsreihe „Gesundheitsschutz“ im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie wurde das Projekt im Bereich der Forstwirtschaft angeregt. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landesforstbetrieb sowie im Landeszentrum Wald, die in ihrer Tätigkeit im Wald täglich mit Zecken in Kontakt kommen können, wurde die Studie vorgestellt.

Das Interesse der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Teilnahme an der Studie hinsichtlich der angestrebten Ziele der Untersuchungen war sehr groß, sodass ca. 200 Waldarbeiter, Revierförster, Funktionsbeamte / Büroleiter mit Außendiensttätigkeiten sowie Azubis die freiwillige Teilnahme seit Juli 2019 bestätigt haben. Durch deren Tätigkeit ist das gesamte Waldgebiet in Sachen-Anhalt von ca. 500.000 ha (ca. 25 % der Landesfläche) abgedeckt.

Um auch Gebiete außerhalb der Waldflächen in die Untersuchungen einzubeziehen, wurde ab September 2019 auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin der Biosphärenreservate Mittelelbe, Drömling und Karstlandschaft Südharz um eine Teilnahme geworben, sodass hier auch ca. 20 Teilnehmende gewonnen werden konnten. Bis zum 22. November 2019 konnten 405 Zeckenproben in der Mikrobiologie der Universitätsklinik Magdeburg eingeschickt werden.

An diesem Projekt beteiligen sich die BNITM-Arbeitsgruppen (Arbovirologie, Abt. Zoonosen) und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene und die Sektion Infektiologie). Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachsen-Anhalt fördert das Vorhaben als E.Ze.SA-Projekt (Erregerspektrum der Zecken in Sachsen-Anhalt).

Foto: Prof. Dr. med. J. Schmidt-Chanasit, Prof. Dr. med. G. Geginat, Priv.-Doz. Dr. med. A. Katsounas und Staatssekretär Umwelt, Energie Klaus Rehda
Foto: MULE

Letzte Änderung: 24.01.2020 - Ansprechpartner:

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