Magdeburger Medizinstudenten unterstützen in der Corona-Pandemie

09.02.2021 -  

Fünf angehende Ärzt*innen haben uns erzählt, wie sie in der aktuellen Corona-Pandemie helfen

Um Personalengpässe während der Pandemie zu vermeiden, melden sich deutschlandweit Tausende von Studierenden der Medizin freiwillig, um in Kliniken und Versorgungseinrichtungen zu unterstützen – darunter sind auch Student*innen der Magdeburger Universitätsmedizin. Wir haben mit fünf von ihnen gesprochen und sie haben uns erzählt, warum sie sofort bereit waren zu helfen.

Sewda Yavari-Nodouzaghi, Foto: Chritian Morawe/UMMD

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Sabrina Sulzer (25) kommt aus Wössingen in der Nähe von Karlsruhe. Sie ist im 6. Studienjahr und absolviert derzeit ihr praktisches Jahr (PJ) in der Gastroenterologie der Universitätsmedizin Magdeburg. Von April bis September hat sie bei der Betreuung und Pflege von Palliativ-Patienten und Bewohnern des Martin-Ulbrich-Hauses der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg ausgeholfen. Dabei war sie oft am Wochenende im Einsatz. Sie erzählt: „Viele Mitarbeiter sind von heute auf morgen ausgefallen. Da habe ich ohne lange darüber nachzudenken gerne unterstützt, wenn Not am Mann war. Die Situation der Patienten und Bewohner in einer solchen Zeit ist ohnehin schon schwer genug und die Pflege erfordert viel Geduld und vor allem auch Zeit.“

Lisa Harling (22) kommt aus Braunschweig. Sie ist im 5. Studienjahr und hat bereits einen Teil ihrer Famulatur (klinisches Praktikum) erfolgreich abgeschlossen. Demnächst möchte sie sich intensiv ihrer Doktorarbeit widmen. Von April bis Juli hat sie vor allem nachts von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens in der Prä-Triage (Zugangskontrolle) der Magdeburger Universitätsmedizin unterstützt. Eine anstrengende Zeit, wie sie selbst sagt: „Vormittags habe ich gelernt, nachmittags geschlafen und abends dann dort ausgeholfen. Ich habe dadurch einen ganz anderen Blick auf die Situation bekommen und habe natürlich viele Kolleginnen und Kollegen kennenlernen dürfen, die ich sonst vermutlich nie getroffen hätte.“      

Sewda Yavari-Nodouzaghi (28) kommt aus Münster und ist Studentin der Humanmedizin. Zuvor hat sie bereits Cognitive Science in Osnabrück studiert. Sie ist im 4. Studienjahr und unterbricht momentan Pandemie-bedingt ihre Famulatur (klinisches Praktikum) in der Anästhesie und Intensivmedizin. Sie arbeitet mit im Leitungsteam in der Fieberambulanz der kassenärztlichen Vereinigung in der Brandenburger Straße. Neben der Patientenaufnahme und der Assistenz bei der ärztlichen Untersuchung koordiniert sie unter anderem den Ablauf und Einsatz der studentischen Helfer vor Ort. Die Medizinstudentin wollte eigentlich nur für zwei bis drei Monate aushelfen. Jetzt sind es bereits 10 Monate mit bis zu 20 Stunden in der Woche. „Es war eine einmalige Gelegenheit an vorderster Front mitzuhelfen.“ Die aktuelle Entwicklung empfindet die Medizinstudentin als sehr frustrierend. „Magdeburg war fast coronafrei. Jetzt bilden sich wieder lange Schlangen und wir arbeiten im Akkord, um alles zu schaffen.“ Angst sich anzustecken, hat sie keine. „Ehrlich gesagt, fühle ich mich in der Schutzausrüstung sicherer als im Shopping-Center.“

Helen Bartsch (21) kommt aus der Nähe von Potsdam. Sie studiert im 4. Studienjahr Humanmedizin und schreibt derzeit ihre Doktorarbeit. Mit der Schließung der Gastronomie hat sie ihren Kellnerinnen-Job verloren. Deshalb und weil viele Hände gebraucht werden, unterstützt sie seit Juni ebenfalls in der Fieberambulanz der Brandenburger Straße. „Für einen reibungslosen Ablauf vor Ort sind viele Leute nötig. Die Patienten müssen bei der Anmeldung viele Formulare ausfüllen. Da muss einiges erklärt werden. Auch bei der ärztlichen Untersuchung und beim Abstrich gehen wir mit zur Hand, damit es schnell vorangeht.“ Trotz der eingespielten Abläufe kommt es zu langen Wartezeiten – ernüchternd für die junge Studentin. „Die Leute frieren, sie sind unzufrieden, was ich auch verstehen kann. Wir stehen dort alle unter Strom und trotzdem ist der Andrang manchmal kaum zu bewältigen. Das macht mich traurig.“

Conrad-Jakob Schiffner (35) kommt aus Berlin. Er ist im 6. Studienjahr und absolviert derzeit sein praktisches Jahr (PJ) in der Mikrobiologie der Universitätsmedizin Magdeburg. Dort an der eigens eingerichteten Corona-Hotline landen seit Beginn der Pandemie viele Anfragen von Privatpersonen, aber auch von Unternehmen. Der Medizinstudent hat bei der Anfragenbeantwortung bereitwillig ausgeholfen. Seit Mitte November ist er auch im Personal-Screening mit im Einsatz und nimmt Abstriche bei Mitarbeiter*innen der Unimedizin. Das sei wichtig, um Assistenzärzte und medizinisches Personal, was anderswo dringend gebraucht wird, zu entlasten. „Was die MTA’s und Ärzte in der PCR-Abteilung des Institutes zur Auswertung der Tests derzeit täglich leisten müssen, ist enorm. Viele laufen sich sprichwörtlich die Hacken wund. Wenn ich da helfen kann, tue ich das sehr gern.“ Wenn sich der Medizinstudent etwas wünschen könnte, dann, dass bei dem pauschalen Blick auf Verordnungen und Einschränkungen die Gefahr des Virus nicht in Vergessenheit gerät. „Das Virus ist tückisch, weil man es nicht sieht. Das ist nicht Ebola oder die Pest. Die Dramatik spielt sich oft hinter verschlossenen Türen hier im Krankenhaus ab“.

Letzte Änderung: 10.02.2021 - Ansprechpartner: Webmaster