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PMI Nr: 27 / Datum: 09.03.2006
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Einladung zur öffentlichen Podiumsdiskussion: Gehirn oder Seele: Wer oder was steuert, was wir tun?
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„Freiheit oder Determinismus: Neurowissenschaften und Geisteswissenschaften im Dialog“ ist das Thema einer Podiumsdiskussion mit renommierten Wissenschaftlern am Mittwoch, dem 15. März 2006, von 19.30 bis 21.00 Uhr in der Aula des Ökumenischen Domgymnasiums in Magdeburg, Hegelstraße 5, zu dem die Öffentlichkeit recht herzlich eingeladen ist. Der Eintritt ist frei.
Professor Jörg Frommer, Leiter der Abteilung Psychosomatik und Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums Magdeburg, wird in der Diskussionsrunde interessante Gäste begrüßen können: die Philosophin Professorin Petra Gehring, TU Darmstadt, den Psychiater und Philosophen Professor Georg Northoff, Universität Magdeburg, den Hirnforscher Professor Henning Scheich, Leibniz-IfN Magdeburg und den Psychosomatiker Professor Wolfgang Tress, Universität Düsseldorf.
Die Podiumsdiskussion wird sich zum einen mit grundsätzlichen Problemen des Leib-Seele-Dualismus beschäftigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob der enorme Erkenntniszugewinn der letzten Jahre in den Neurowissenschaften zwangsläufig darauf hinaus laufen muss, seelische Vorgänge als abhängig und nachrangig gegenüber Hirnvorgängen zu verstehen, oder ob weiterhin auch Positionen begründet werden können, die von einer Gleichwertigkeit von Hirn und Bewusstsein ausgehen.
Am nachhaltigsten ist diese Frage in den zurückliegenden Jahren anhand der These Benjamin Libets (2004/2005) diskutiert worden, dass jedem bewussten Prozess ein unbewusster neuronaler Prozess vorausgeht. Lässt diese mind time den Schluss zu, dass unbewusste elektrophysiologisch messbare Prozesse unser Bewusstsein „steuern“? Ist dadurch das möglicherweise nur vermeintlich freie Bewusstsein als Subjekt der Handlungssteuerung gar nicht Herr im eigenen Hause?
Der zweite Teil der Diskussion wird sich dann den ethischen Einflüssen des Themas zuwenden. Dabei werden sich die Diskutanten an einem konkreten Beispiel orientieren: In der stereotaktischen Neurochirurgie nimmt seit einigen Jahren die so genannte tiefe Hirnstimulation, das heißt, die elektrische Reizung bestimmter tiefer Hirnstrukturen durch implantierte Elektroden, die technisch Herzschrittmachern ähneln, einen bemerkenswerten Aufschwung .
Diese Methode wird derzeit vor allem in der Behandlung des Zitterns bei Patienten mit Schüttellähmung eingesetzt. Erste Forschungsergebnisse weisen allerdings darauf hin, dass sich unter Neurostimulation nicht nur die Bewegungsfähigkeit, sondern auch das Gefühlsleben in Abhängigkeit von der Lokalisation der Elektrode im Gehirn und der steuerbaren Stimulationsfrequenz verändert. Hieraus könnten sich zukünftig auch neue Perspektiven für die Behandlung von Depressionen und Angsterkrankungen ergeben.
Mit diesen Chancen entstehen aber auch gravierende ethische Probleme: Ist die gezielte Veränderung der emotionalen Grundlagen der menschlichen Persönlichkeit durch technische Manipulation legitim? Welche ethischen Grenzverletzungen sind denkbar oder gar zu befürchten? Ist die Annahme von Entscheidungsfreiheit und Verantwortlichkeit für das eigene Handeln unter den Bedingungen derartiger Beeinflussung noch haltbar? Mit diesen und anderen Fragen wird sich die Diskussion beschäftigen.
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der 57. Jahrestagung des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) vom 15. bis 18. März in Magdeburg, die unter dem Thema steht: „Gesellschaftlicher Wandel als Chance und Risiko“.
Tagungsprogramm im Internet unter
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/znh/kpsy/pmpt/.
Tagungsleitung und Ansprechpartner für Redaktionen:
Prof. Dr. med. Jörg Frommer, M.A.
Universitätsklinikum Magdeburg
Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Leipziger Str. 44, 39120 Magdeburg
Tel: 0391/ 67 14200, Fax: 0391/ 67 14202
Email:joerg.frommer@medizin.uni-magdeburg.de
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