Universität Magdeburg forscht in der Nationalen Kohorte mit

13.11.2014 -  

Am 10. November 2014 ist Deutschlands größte Gesundheitsstudie, die Nationale Kohorte (NAKO), an den Start gegangen. Zum offiziellen Auftakt luden Organisatoren, Förderer und Wegbegleiter des Projektes nach Essen in eines der 18 Studienzentren ein. In den nächsten vier Jahren sollen 200.000 Bürgerinnen und Bürger zwischen 20 und 69 Jahren medizinisch untersucht und nach ihren Lebensumständen befragt werden. Ziel des in dieser Dimension bisher einmaligen Großprojektes ist die verbesserte Prävention, Früherkennung und Therapie der typischen Volkskrankheiten, wie etwa Krebs, Diabetes und Demenz.

"Wir haben in den nächsten Jahren durch die Nationale Kohorte die große Chance, einen enormen Wissensschub im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erzielen. Alle achtzehn Studienzentren sind jetzt voll funktionsfähig. Das ist eine enorme Leistung aller Beteiligten der Nationalen Kohorte. Ich möchte nunmehr alle Bürgerinnen und Bürger, die einen Brief von der Nationalen Kohorte erhalten, dazu ermuntern, sich an der Studie zu beteiligen. Denn die Aussagekraft der Studienergebnisse ist umso höher, je mehr Bürgerinnen und Bürger sich aktiv beteiligen - und hiervon profitieren wir in Zukunft alle“ appellierte Professor Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung an die Bevölkerung.

Die nationale KohorteDie wissenschaftliche Herausforderung der NAKO erläuterte Professor Dr. Karl-Heinz Jöckel, Vorstandsvorsitzender des Vereins Nationale Kohorte e.V. so: „Das genaue Zusammenspiel der Faktoren, die bei der Entstehung einer Erkrankung wie Krebs eine Rolle spielen, kennen wir zum großen Teil noch nicht. Warum genau wird der eine krank, der andere aber bleibt gesund? Welchen Einfluss haben genetische Faktoren, Umwelteinflüsse oder aber die Arbeitswelt auf die Gesundheit des Einzelnen? Um diese Frage beantworten zu können, sind wir auf detaillierte Informationen von möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern aus unterschiedlichem Lebensumfeld angewiesen“, so Professor Dr. Karl-Heinz Jöckel. Ob jünger oder älter, Frauen oder Männer, Stadt- oder Landbewohner, Familienmenschen oder Singles, alle sind für das Forschungsvorhaben gleichermaßen interessant und werden in den Studienzentren standardisiert untersucht und befragt. Mithilfe der so über die Jahre entstehenden Daten können konkrete Schutz- und Risikofaktoren identifiziert werden, die neue Ansätze für Prävention, Früherkennung und Therapie der typischen Volkskrankheiten bieten.

Mit der NAKO kommt nach intensiver Vorbereitung ein nationales Projekt mit enormen Ausmaßen ins Rollen: 25 Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland sind beteiligt, 18 Studienzentren stehen bundesweit bereit, Bund, Länder und Helmholtz-Gemeinschaft fördern die Studie mit 210 Mio. EUR. „Helmholtz-Gemeinschaft, Universitäten, Leibniz-Gemeinschaft und Fraunhofer Gesellschaft – sie alle ziehen an einem Strang, um die NAKO zu einem gemeinsamen Erfolg zu führen“, betonte Professor Dr. Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender und wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums sowie Vertreter der Helmholtz-Gemeinschaft.

NakoHöchstes Maß an Sicherheit – für Menschen und Daten

In den Studienzentren erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein breit angelegtes Untersuchungsprogramm, das Riechtests oder die Messung der Handgreifstärke ebenso umfasst wie EKG oder Blutdruckmessung. Erste Voraussetzung dafür ist ein transparentes Datenschutzkonzept, das den rechtlichen und ethischen Anforderungen auf höchstem Niveau gerecht wird. Das Studienprotokoll wurde gemäß den gesetzlichen Bestimmungen unter ethischen und datenschutzrechtlichen Aspekten einer strengen Prüfung unterzogen. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden wurde ein Datenschutzkonzept entwickelt, das Datenmissbrauch verhindert. Die Studie steht unter ständiger fachlicher Beratung der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.

Wissenschaftliche Nutzung von Gesundheits- und Sozialdaten

Das Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (ISMG; Direktor Prof. Dr. Bernt-Peter Robra, M.P.H; Projektleiter Dr. Enno Swart) der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickelte im Pretest der NAKO das Konzept für eine Erschließung ergänzender Gesundheits- und Sozialdaten. Hierzu gehören unter anderem Krankenkassendaten, Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) und Krebsregisterdaten. Die mehrjährigen Erfahrungen des ISMG-Instituts zur Nutzung dieser sog. Sekundärdaten werden im NAKO-Kompetenznetz für Sekundär- und Registerdaten schrittweise umgesetzt. Neben dem ISMG gehören das Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung (BIPS GmbH) und das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) diesem Netz an. Das Zusammenspielen der in den Studienzentren erhobenen Daten und der ergänzenden Sekundärdaten reduziert einerseits den Aufwand für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Erst- und den Nachfolgeuntersuchungen sowie -befragungen. Andererseits ermöglicht es vertiefende Einblicke in Risiko- und prospektive Faktoren bei der Entstehung der chronischen Volkskrankheiten und ihres Verlaufs, etwa zum Einfluss von Arbeit auf Gesundheit.

Durch die Verknüpfung von Daten aus den Studienzentren mit Sekundärdaten entsteht in den nächsten Jahren eine einzigartige Datenbasis, die der Versorgungsforschung in Deutschland neue Wege eröffnet. Die wissenschaftliche Nutzung dieser ergänzenden Daten setzt voraus, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu nach umfassender Aufklärung ihr schriftliches Einverständnis erklärt haben.

Kontakt:

Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (ISMG)

Janett Powietzka , Tel: (0391) 67 24309, Email:

Christoph Stallmann, Tel: (0391) 67 24321, Email:

Letzte Änderung: 24.05.2019 - Ansprechpartner: Webmaster