Ist Asthma demnächst heilbar?

Universitätsklinikum testet vielversprechendes Therapiekonzept

von Jacqueline Heß

Plötzliche Luftnotanfälle, oft auch Husten sind typische Symptome für ein Asthma bronchiale. Rund sechs Millionen Erwachsene leiden in Deutschland an Asthma, aber auch 1,5 Millionen Kinder. Asthma ist sogar die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Haben die Eltern allergische Erkrankungen liegt das Risiko eines Kindes, an Asthma zu erkranken um bis zu 50 Prozent höher. Allergien sind die häufigste Ursache von Asthma bronchiale­­.

Foto Professor SchreiberProf. Dr. Jens Schreiber, Chefarzt des Bereiches Pneumologie am Universitätsklinikum Magdeburg, erklärt: „Das Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung, bei der es anfallsartig, das heißt sehr variabel zu Verengungen der Bronchien kommt. Diese Asthmaanfälle werden subjektiv meist als starke Atemnot empfunden und können objektiv die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigen, mitunter auch lebensbedrohlich sein.“ Die Lebensqualität der Betroffenen ist abhängig vom Schweregrad des Krankheitsbildes. Leichtes Asthma und vor allem ein gut behandeltes und durch die Therapie kontrolliertes Asthma schränkt die Patienten in ihrer Lebensführung so gut wie gar nicht ein. Schweres oder anhaltendes Asthma hingegen kann die Lebensqualität immens beeinträchtigen.

Ein Asthma-Anfall kann durch verschiedene Reize ausgelöst werden, die in einer gesunden Lunge ohne Folge bleiben, bei einem Asthmatiker jedoch eine entzündliche Reaktion der Bronchialschleimhaut auslösen. Die Schleimhaut schwillt an und sondert vermehrt einen zähen Schleim ab, beides verengt die Bronchien. Zudem zieht sich die Muskulatur der kleineren Atemwege krampfartig zusammen, was die Atmung zusätzlich erschwert. Die Sauerstoffversorgung des Körpers kann sich verschlechtern, im Extremfall kann ein lebensbedrohlicher Zustand eintreten. Bei einem Asthmaanfall ist vorwiegend die Ausatmung erschwert, das heißt, dass die Luft die Lunge schwer verlassen kann, was zu einer Überblähung der Lunge führen kann. Deshalb hat es während eines Asthmaanfalls meist den Anschein hat, dass der Betroffene um „Luft ringt“. Bei langjährigem, mitunter auch ungenügend behandeltem Krankheitsverlauf können die strukturellen Veränderungen der Lunge, vor allem die Verengung der Bronchien nicht rückbildungsfähig werden.

Prof. Schreiber weist jedoch darauf hin, dass sich die Behandlung des Asthma bronchiale in den vergangenen Jahren ständig verbessert hat: „Sie zielt einerseits auf eine Unterdrückung der Entzündung der Bronchialschleimhaut und andererseits auf eine Erweiterung der verengten Bronchien. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die vorwiegend inhalativ als Sprays oder Pulverinhalatoren angewandt, also eingeatmet werden, so dass sie örtlich auf die Bronchialschleimhaut wirken und kaum in die Blutbahn übertreten.“ Mit diesen Medikamenten sei es heute möglich, bei der überwiegenden Mehrzahl der Asthmapatienten die Erkrankung gut zu kontrollieren - eine konsequente und dem Krankheitsverlauf angepasste Therapie vorausgesetzt.

Bei einem Teil der Patienten liegt jedoch ein schweres Asthma vor und es gelingt trotz optimaler Therapie nicht, eine befriedigende Stabilisierung zu erzielen. Prof. Schreiber: „Hier gibt es weltweit intensive Bemühungen um eine Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten, wenngleich eine Heilung noch nicht absehbar ist. Eine wesentliche Verbesserung der Therapie hat bei Patienten mit schwerem allergischem Asthma der Einsatz eines sogenannten monoklonalen Antikörpers erbracht, der das allergieauslösende Immunglobulin E (IgE) im Blut der Patienten bindet und damit neutralisiert. Allerdings bleibt ein Teil des IgE auf den allergieauslösenden Körperzellen gebunden. Hier setzt ein neuartiges Medikament an, bei dem auch das zellgebundene IgE neutralisiert wird.“ Dieses sehr vielversprechende Therapieprinzip wird gegenwärtig in einer internationalen Studie, auch unter Beteiligung des Universitätsklinikums Magdeburg, getestet. Patienten, die an einem allergischen Asthma leiden und trotz zweier oder mehr Medikamente (Sprays, Inhalatoren oder Tabletten) noch Beschwerden haben und an einer Teilnahme an dieser Studie interessiert sind, können sich in der Asthma- und Allergieambulanz des Fachbereichs für Pneumologie des Universitätsklinikums Magdeburg informieren (Kontakt: Tel.: 0391-67-15496, E-Mail: yvonne.schardt@med.ovgu.de). 

Und was können Asthmatiker selbst dazu beitragen, um trotz der Krankheit ein möglichst normales Leben führen zu können? Wenn ein allergisches Asthma vorliegt, sollten die auslösenden Allergene möglichst vermieden werden. Auch das Verhalten und der Lebensstil können einen erheblichen Einfluss auf die Krankheit haben. Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht. Rauchen Sie nicht. Vermeiden Sie, als Asthmatiker, feuchte, kalte Luft, Smog, Luftverschmutzungen, Dämpfe von Putzmitteln, Farben und Klebern, sowie verrauchte Räume. Weiterhin sind ausreichende körperliche Belastung und der Schutz vor Infektionen wichtig.

Letzte Änderung: 01.03.2018 - Ansprechpartner:

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