Jeder zehnte Deutsche hat Diabetes

... viele wissen es aber nicht

von Jacqueline Heß

Änderung des Lebensstils kann viel bewirken

Mit einer gezielten Therapie kann man den Diabetes mellitus gut in Schach halten. Voraussetzung dafür ist, dass man von der Erkrankung weiß. 10 Prozent der Deutschen aus allen Altersstufen sind betroffen. Ab einem Alter von 65 Jahren soll sogar jeder Dritte betroffen sein, wobei die Mehrheit es nicht weiß.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Eine entscheidende Rolle spielt das Insulin. Das körpereigene Hormon in der Bauchspeicheldrüse ist notwendig, damit Zucker, der über die Nahrung ins Blut gelangt, von den Zellen aufgenommen und verarbeitet werden kann. Mangelt es an Insulin, verbleibt der Zucker im Blut – der Blutzuckerspiegel steigt. Man unterscheidet die im Volksmund genannte „Zuckerkrankheit“ grob nach zwei Formen: Typ 1- und Typ 2-Diabetes. Beim Diabetes mellitus Typ 1 wird kein eigenes Insulin mehr gebildet und beim Diabetes mellitus Typ 2 besteht ein relativer Insulinmangel in Kombination mit anderen Störungen des Zuckerstoffwechsels. Mit über 90 Prozent an Betroffenen ist der Typ 2-Diabetes die häufigste Form und kommt überwiegend bei Übergewichtigen vor.

Insulinpumpe2„Eine Diagnose erfolgt über eine Blutzuckermessung oder den Langzeitwert HbA1c im Blut. Unter 5,7% ist dieser Wert gut, über 6,5 ist er schlecht und es liegt Diabetes vor. Dazwischen liegt eine Grauzone: die sogenannte Prädiabetesphase. In dieser Zone besteht ein erhöhtes Risiko, einen Diabetes zu bekommen. Mein Rat ist es, dass sich Übergewichtige generell ihren Blutzucker beim Hausarzt oder heutzutage mittlerweile auch schon in der Apotheke testen lassen. Das Tückische am Diabetes ist, dass es keine Frühsymptome gibt. Symptome setzen meist erst nach längerem Bestehen der Krankheit und sehr hohen Blutzuckerwerten ein wie häufiges Durstgefühl, viel Harndrang, Heißhunger, Abgeschlagenheit, Hauterkrankungen  oder häufige Infektionen im Genitalbereich, wie beispielsweise Blasenentzündungen. Dann besteht der Diabetes meist aber schon seit fünf Jahren unerkannt“, so Oberärztin Dr. Silke Klose, Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie.

„Man braucht keine Angst vor einem Test haben, man kann froh sein, wenn die Krankheit frühzeitig diagnostiziert wird, da man dann gezielter entgegenwirken kann und keine Folgeschäden befürchten muss. Volksweisheiten wie ´Einmal Zucker, immer Zucker´ sind unwahr. Der Entstehung von Typ-2-Diabetes kann man mit ausreichend Bewegung, der Vermeidung von Übergewicht und einer ausgewogenen Ernährung vorbeugen und nach der Diagnose ist die Änderung des Lebensstils auch die erste Therapiewahl. Dadurch normalisieren sich häufig von alleine die Blutzuckerwerte. In jeder Phase – sei es Prädiabetesphase oder bei Diabetes – kann man noch sehr viel über die Veränderung des Lebensstils erreichen und gegenwirken. Man kann auch als Typ 2 Diabetiker die Erkrankung wieder loswerden. Diabetes Typ 2 ist eine Wohlstandskrankheit, bei der aufgrund des zunehmenden Übergewichts der Bevölkerung auch immer mehr jüngere Erwachsene betroffen sind“, so Prof. Dr. Peter Mertens, Klinikdirektor der Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie.  Falls eine  Änderung des Lebensstils nicht ausreicht, muss in diesen Fällen auf eine medikamentöse Therapie (sog. orale Antidiabetika) zurückgegriffen werden und falls nötig auf Insulinspritzen, um den Blutzucker zu regulieren. Diese kann sich der Patient zumeist selber geben.

Die seltenere Form Diabetes Typ 1 beginnt meist in der Kindheit oder Jugend. Betroffene müssen das fehlende Insulin ein Leben lang spritzen und man kann diese Form nicht durch vorbeugende Maßnahmen verhindern.  „Für Typ1-Diabetiker gibt es beispielsweise eine Insulinpumpe. Die Feinabstimmung des Insulins kann man mit dieser Pumpe dann sehr gut regulieren. Man steckt eine kleine Nadel in die Bauchhaut, die das Insulin so abgibt, wie man es programmiert. Per Knopfdruck kann man dann auch eine größere Menge Insulin spritzen, beispielsweise vor einer Mahlzeit. Bei einigen Patienten reicht die Wirkung des abends gespritzten Basalinsulins nicht, um einen frühmorgendlichen Blutzuckeranstieg zu verhindern. Mit der Pumpe kann man die Insulinzufuhr stündlich genau programmieren. Ein weiterer Fortschritt ist ein neues Glukose-Messsystem, bei dem der Patient eine Nadel am Oberarm trägt und per Sensor seinen Wert bestimmen kann. Somit umgehen die Patienten das Stechen im Finger, was von fast allen Patienten als sehr unangenehm empfunden wird“, so Dr. Klose.

Der normale Weg für einen Betroffenen mit der Diagnose Diabetes ist zuerst die Veränderung des Lebensstils.  Wenn dies nicht den gewünschten Erfolg bringt, erfolgt eine medikamentöse Therapie, zum Teil mit Ersatz des Insulins. Ganz am Ende des Behandlungsspektrums steht die Pankreastransplantation. „Wichtig ist, dass man mögliche Folgeschäden eines Diabetes vermeidet. Immer noch löst Diabetes unbehandelt tödliche Folgeerkrankungen aus, wie einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder das diabetische Fußsyndrom. Dies fehlt aber vollkommen im Bewusstsein der Patienten, da die Frühsymptome fehlen und viele mit der Zuckerkrankheit nicht solche gravierenden Folgen in Verbindung bringen. Viele Betroffene überrascht die Diagnose sehr, obwohl sie sich beispielsweise jahrelang sehr ungesund ernährt haben. Es fehlt ein Gesundheitsbewusstsein sowie Aufklärung und viele lassen ihre Check-Ups einfach verstreichen. Oft erfahren Betroffene durch Zufall, dass sie es schon mehrere Jahre Diabetiker sind und dies bereits mit Folgeschäden an den Nerven und an den Gefäßen. „Unsere Klinik untersucht im Rahmen des Forschungsschwerpunkts Gesundheitscampus Immunologie, Infektiologie und Inflammation den Diabetes und legt dabei besonderen Fokus auf die entzündlichen Veränderungen der Nerven und das diabetische Fußsyndrom“, so Prof. Mertens. Ganz nach dem Motto: „Entzündung verstehen, Volkskrankheiten heilen“.

Foto: Dirk Ortlieb mit einer Insulinpumpe im Gespräch auf Station mit Prof. Mertens und OÄ Dr. Klose
Foto: Elke Lindner

Letzte Änderung: 01.03.2018 - Ansprechpartner:

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