Muss ein Nabelbruch immer operiert werden?

von Jacqueline Heß

Ohne Nabelschnur könnte sich ein ungeborenes Kind im Mutterleib nicht entwickeln. Denn darüber wird es mit Blut und allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Nach der Geburt trocknen die Reste der Nabelschnur ein und fallen ab. Zurück bleibt als Erinnerung der Bauchnabel. Die kleine Vertiefung kann sich bei Kindern nach außen stülpen und eine Wölbung bilden. Das wird als Nabelbruch bezeichnet.

Nach Durchtrennen der Nabelschnur zieht sich der Ring in der Bauchwand zusammen, so dass in den meisten Fällen keine Vorwölbung auftritt. „Ist dies jedoch der Fall, kann man zunächst abwarten, wenn sich keine Darmanteile oder Fettgewebe durch die bestehende Lücke verlagern“, erläutert Oberarzt Dr. Hardy Krause, Leiter des Arbeitsbereiches Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg. Fünf bis zehn Prozent aller Säuglinge kommen mit einem Nabelbruch zur Welt. Er ist jedoch meist ungefährlich. Das Auftreten eines Nabelbruches beruht auf einer Schwäche der vorderen Bauchwand im Bereich der ehemaligen Nabelschnur, welche eine gewisse Größe haben muss, um den Embryo im Mutterbauch zu versorgen. Diese Säuglingsnabelbrüche haben meistens keine negativen Auswirkungen. Lediglich wenn die ausgefallenen Baucheingeweide nicht von selbst oder durch sanfte Massage wieder in den Bauch rutschen, besteht Handlungsbedarf. Der Nabelbruch bei Säuglingen ist selten von solchen Einklemmungen betroffen, da die Kinder meist auf dem Rücken liegen und bei Entspannung oder Schlaf eine spontane Rückbildung stattfindet. Wird jedoch der Druck im Bauch erhöht, wie beim Schreien oder bei Blähungen, kann der äußere Anblick sehr beeindruckend sein, so dass eine Operation ab einer gewissen Größe zu empfehlen ist. Da dies immer eine Individualentscheidung ist, empfiehlt sich in diesen Fällen die Konsultation  eines Kinderchirurgen auch zu einem frühen Zeitpunkt.

Station KinderchirurgieOA Dr. Krause:  „Meistens wird die Vorwölbung jedoch  in den ersten Lebensmonaten kleiner und verschwindet von selbst, nachdem das Kind zu laufen beginnt. Die Auflage von Geldmünzen oder flachen Steinen haben jedoch keinen Nutzen. Auch Nabel- oder Heftpflaster oder „Nabelbinden“ verwendet man heute nicht mehr. Sie bringen nichts und machen die Haut im Bereich des Verbandes überempfindlich.“

Wenn aber im Alter von 3 Jahren immer noch eine Vorwölbung besteht, sollte die Vorstellung bei einem Kinderchirurgen erfolgen, um die Größe der Bruchpforte zu bestimmen und durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes eine andere Ursache auszuschließen. „Bei einem Durchmesser von zwei Zentimeter oder größer ist meistens eine Operation notwendig. Bei einem Eingriff wird ein kleiner Hautschnitt  unter- oder oberhalb des Nabels gemacht. Die Lücke unter der Haut wird überlappend mit zwei Nähten doppelt vernäht. Die Fäden lösen sich mit der Zeit selbst auf. Im Normalfall ist dies bei größeren Kindern eine ambulante Operation unter Vollnarkose, bei kleineren Kindern und Säuglingen empfehlen wir die stationäre Überwachung nach dem Eingriff.“, informiert Dr. Krause.  Die kleine Operationsnarbe ist in der Regel so nah am Nabel, dass sie nicht auffällt.  Bei Mädchen wird eine Operation übrigens häufiger  empfohlen. Der Bruch kann bei erwachsenen Frauen nämlich später während ihrer eigenen Schwangerschaft durch den dicken und gedehnten Bauch Probleme bereiten. Abzugrenzen von dem Nabelbruch ist die sogenannte epigastrische Hernie (Oberbauchbruch), welche aber deutlich seltener auftritt. In diesen Fällen liegt die Vorwölbung oberhalb des Nabels, betrifft aber klassischerweise nur Fettanteile. Ein „echter“ Bruch liegt in der medizinischen Definition nicht vor. Hier ist in der Regel keine Rückbildung zu erwarten, so dass bei Beschwerden eine Operation notwendig ist.

Foto: Dr. Hardy Krause bei der Visite auf der kinderchirurgischen Station des Uniklinikums.
Foto: Elke Lindner / Universitätsklinikum Magdeburg

Letzte Änderung: 01.03.2018 - Ansprechpartner:

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