Wenn Kinder Gegenstände verschlucken

Gefahr für das Kind: Orale Fremdkörperaufnahme

von Jacqueline Heß

Kleinkinder erkunden ihre Welt über den Mund. Dabei kommt es vor, dass sie versehentlich Kleinteile verschlucken – Münzen, Murmeln oder Knöpfe. In den meisten Fällen besteht kein Grund zur Panik, da viele Fremdkörper auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden werden, doch es kann auch zu Komplikationen kommen.

„Bei Kleinkindern gibt es eine orale Phase, in der sie mit den Fingern und mit dem Mund die Beschaffenheit umgebener Gegenstände ertasten, erfühlen und erlernen. Das bedeutet, dass sie viele Sachen in den Mund stecken. Das führt automatisch dazu, dass ein Teil dieser kleineren Gegenstände auch verschluckt werden kann. Bei Kindern geschieht das Verschlucken oft in Momenten, in denen sie nicht beobachtet werden“, weiß Dr. Hardy Krause, Leitender Oberarzt des Bereiches Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg.

FremdkörperWie erkennt man, ob das Kind etwas verschluckt hat? „Ein erstes Anzeichen nach dem Verschlucken ist oftmals ein vermehrter Speichelfluss. Das Kind schluckt dann wesentlich öfter als normalerweise. Brechreiz und Erbrechen sind weitere Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt. Auch eine unerklärliche Unruhe und Bauchschmerzen sind Symptome, die unbedingt beachtet werden müssen“, erklärt der Kinderchirurg. Um sicher zu gehen, dass es nicht zu Komplikationen kommt, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Gelangt der Fremdkörper in die Luftröhre oder Lunge, kann es zu heftigem Husten oder gar Erstickungsanfällen kommen. Ist dies der Fall, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand und man muss schnellstmöglich mit dem Kind in die Klinik.

Man kann nicht immer sofort erkennen, dass das Kind einen Gegenstand verschluckt hat. Dr. Krause: „Das Verschlucken von Fremdkörpern (auch Ingestion genannt) ist im Kindesalter vermutlich wesentlich häufiger als angenommen. Ein Großteil bleibt unbemerkt und asymptomatisch. In der Diagnostik der Patienten können wir in vielen Fällen mittels einer Röntgenaufnahme feststellen, ob und was verschluckt wurde, jedoch lassen sich Plastikteile nicht unmittelbar mit dieser Methode darstellen. Bei Glasscherben ist dies oft von der Zusammensetzung abhängig, Geldstücke sieht man dagegen sofort. Wenn man nicht weiß, wo der Fremdkörper sitzt, ist es wichtig, dass ein Röntgen vom Mundboden bis zum unteren Teil des Beckens durchgeführt wird.“

Die meisten der verschluckten Fremdkörper sind harmlos und werden nach unterschiedlich langer Passage-Dauer, die bis zu zehn Tagen dauern kann, auf natürliche Weise wieder ausgeschieden. Auch spitze Gegenstände können den Darmtrakt durchwandern ohne eine Verletzung zu verursachen. Aber es gibt auf dem natürlichen Weg durch den Körper auch einige gefährliche Stellen, die der Gegenstand passieren muss. „Dazu gehört u.a. eine Stelle in der Speiseröhre, die direkt neben der großen Hauptschlagader läuft. Wenn dort etwas steckenbleibt und ständig reizt, kann es sehr gefährlich werden“, weiß Dr. Krause. Sollte das konservative Vorgehen, die Ausscheidung auf natürlichem Weg, keinen Erfolg bringen, müsste man den Fremdkörper endoskopisch entfernen. Die größte Gefahr geht von Fremdkörpern mit gefährlichen Inhaltsstoffen aus wie beispielsweise Batterien. Diese können durch ein Auslaufen die Innenwände des Gastrointestinaltraktes zerstören oder zu Vergiftungen führen. Dort muss in den meisten Fällen sofort gehandelt werden.

Dr. KrauseDr. Krause: „Bei uns in der Klinik werden Kinder zwischen zwei und fünf Jahren am häufigsten mit der Problematik vorstellig, aber es gibt auch einige Schulkinder, die aufgrund einer Ablenkung oder Mutprobe etwas verschlucken. Es sind im Durchschnitt etwa 10 bis 20 Patienten pro Jahr, die wir wegen einer oralen Fremdkörperaufnahme behandeln. Wir betreuen diese Patienten zusammen mit der Uni-Kinderklinik.“

Wie kann man dem Verschlucken von Gegenständen vorbeugen? Wichtig ist, dass die Kleinkinder nicht unbeaufsichtigt sind, kleine Gegenstände wie Münzen und Knöpfe nicht offen herumliegen und auf kindersicheres Spielzeug geachtet wird. Auf Murmeln und ähnliches sollte möglichst verzichtet werden. „Einer einfachen Faustregel zufolge sind Dinge, die durch die Papprolle des Toilettenpapiers passen für Kleinkinder ungeeignet“, gibt Dr. Krause als abschließenden Ratschlag Eltern mit auf den Weg.

Letzte Änderung: 01.03.2018 - Ansprechpartner:

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