Stammzelltransplantation

Internationale Studien zur allogenen Blutstammzell-Transplantation am Magdeburger Universitätsklinikum

Bei der allogenen Stammzelltransplantation werden Blut- oder Knochenmarkstammzellen von einem gesunden Spender auf einen Patienten übertragen. Damit die transplantierten Blutstammzellen vom Körper des Patienten (Empfängers) nicht abgestoßen werden, erhält der Patient vorher eine spezielle Chemo- bzw. Strahlentherapie (sogenannte Konditionierung). Im weiteren Verlauf nimmt der Patient dann auch vorübergehend Medikamente ein, die die Immunzellen des Blutstammzelltransplantats hemmen. Damit soll erreicht werden, dass das Gewebe des Patienten nicht als fremd erkannt wird und nicht die sogenannte Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion ausgelöst wird. Auf der anderen Seite sollen die Immunzellen des Spenders bösartige Zellen im Patienten erkennen und abtöten. Die allogene Stammzelltransplantation ist damit in Ihrem Prinzip eine besondere Form der Immuntherapie. Sie wird insbesondere bei akuten und chronischen Leukämien, bei myeloproliferativen Neoplasien (unkontrollierte Vermehrung von roten Blutkörperchen und Blutplättchen) und bei dem sogenannten myelodysplastischen Syndrom (MDS) angewandt. Das MDS ist eine besondere Form der Knochenmarkentzündung, in deren Folge zu wenig funktionsfähige Blutzellen gebildet werden.

stammzellen1Am Universitätsklinikum Magdeburg fand 1996 unter Leitung von Prof. Dr. Astrid Franke und ihrem Team die erste autologe Blutstammzelltransplantation statt. Bei der autologen Blutstammzelltransplantation werden Stammzellen des Patienten gesammelt und eingefroren, um später nach einer hochdosierten Chemotherapie dem Patienten zum Ersatz und zur Unterstützung des eigenen Knochenmarks wiedergegeben zu werden. Diese Form der Stammzelltransplantation wird insbesondere bei der Therapie von Lymphdrüsenkrebs, Multiplen Myelom bzw. Plasmozytom und Hodentumoren eingesetzt. 2010 konnte die erste allogene Stammzelltransplantation in Magdeburg durchgeführt werden und beide Transplantationsverfahren haben sich sehr erfolgreich entwickelt. Im Dezember 2013 wurde am Universitätsklinikum Magdeburg die 500. hämatopoetische Stammzelltransplantation gezählt.

FischerIn den letzten zwei Jahrzehnten konnten die Ergebnisse der allogenen Stammzelltransplantation schrittweise deutlich verbessert werden. Heutzutage können auch ältere Patienten zwischen 60 und 70 Jahren und zum Teil auch über 70 Jahren von dieser Behandlungsform profitieren. Dies liegt zum großen Teil daran, dass es gelang, die Komplikationen der allogenen Stammzelltransplantation, insbesondere Infektionen und die sogenannte Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion, besser in den Griff zu bekommen. Zum anderen liegt dies aber auch daran, dass die Strahlen- bzw. Chemotherapie (Konditionierung) in ihrer Intensität reduziert werden konnte und so in vielen Fällen eine bessere Verträglichkeit erreicht wird, ohne dass das Rückfallrisiko substanziell ansteigt.

Die Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie Magdeburg nimmt zurzeit u.a. an zwei klinischen Studien der „Europäischen Gesellschaft für Blut- und Knochenmarktransplantation (EBMT)“ teil, die eine dosisreduzierte Konditionierung bei der allogenen Stammzelltransplantation anwenden und sich davon eine bessere Verträglichkeit erwarten. „Diese klinischen Studien bieten unseren Patienten hervorragende Behandlungsmöglichkeiten und darüber hinaus werdenwir sehr wichtige Informationen erhalten, um den Einsatz der allogenen Stammzelltransplantation in der Zukunft weiter zu optimieren“ so Prof. Dr. Thomas Fischer, Direktor der Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie Magdeburg.

Letzte Änderung: 01.03.2018 - Ansprechpartner:

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